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Homepage Anthony (Tony) Thompson

ERFAHRUNGSBERICHT                                        

Als Theatermacher zwischen den Kulturen

Schwarzer Schauspieler, Regisseure und Filmemacher in der weißen Kulturlandschaft - Manchmal treten wir auf als Berufsschwarze, wenn wir Bösewichte, Diener oder Sklaven spielen - als Figuren, die sich wie Kinder verhalten, oder bloß als hilfebedürftige Menschen, mit denen man Mitleid haben muss. Es liegt klar auf der Hand, dass hier der Boden bereitet wird für spätere Einstellungen und Vorurteile. Eine Rolle für Schwarze mit Charakterzügen wie Ottonormalverbraucher kommt in den meisten europäischen Theaterstücke selten vor. Viele Afrikanern oder Menschen mit schwarzer Hautfarbe, die hier in den deutschsprachigen Theaterhäusern spielen, bleibt oft nur die Wahl, Rollen, die Klischees bestätigen, anzunehmen oder aber abzulehnen und sich dann monate- oder manchmal sogar jahrelang ohne Engagement und mit anderen Jobs durchzuschlagen.

Nachdem ich 9 Jahre an etablierten Theaterhäusern engagiert war, hatte ich das Bedürfnis, etwas anderes zu machen. Ich war nicht zufrieden mit manchen Rollen, die ich verkörpeln musste. Ich sehnte mich nach Rollen, mit denen ich als Afrikaner oder Mensch schwarzer Hauptfarbe etwas ausdrücken konnte, was mir wichtig war. Im Schauspiel Düsseldorf habe ich 1976 die Schauspieler Pit Kuiper und Rudi Knor sowie den Bühnenbildner Rolf Dörr kennen gelernt. Diese drei Künstler haben damals mit Off-Theater Produktionen experimentiert. Während meiner Zusammenarbeit mit diesen Künstlern - ich war Regieassistent bei der Inszenierungen - kam mir der Gedanke, ein Theaterensemble mit deutschen und afrikanischen Schauspielern zu gründen. Mit den Erfahrungen, die ich an den etablierten Theaterhäusern gesammelt hatte, sowie den guten Kontakten, die ich zu der freien Theaterszene unterhielt, war es für mich nicht schwer, die technischen und dramaturgischen Bedingungen zu schaffen.

Was mir große Probleme bereitete, waren die Stücke und die Besetzung der Rollen. Afrikanische Theaterstücke von Soyinka oder Ngugi in Deutschland zu inszenieren, ist nicht einfach. Schwierigkeiten bereitete nicht die Auswahl der Stücke, sondern vielmehr folgendes. Erstens: Die Darsteller - Für ein Stück von Soyinka oder Ngugi hätte ich mindestens 12 Darsteller gebraucht. Damals kannte ich nur etwa ein halbes Dutzend Schauspieler schwarzer Hauptfarbe, die auf deutschen Bühnen spielten und in der Lage gewesen wären, große bzw. mittelgroße Rollen zu übernehmen. Zweitens: Die Ausstattung - Dorfkuliseen, Marktplatzszenen usw. Versuche, Material und Requisiten über afrikanische Botschaften zu beziehen, gestalteten sich schwierig, da manche Botschaften solche Gegenstände gar nicht hatten und die Botschaften, die sie hatten, nicht geneigt waren, diese Gegenstände auszuleihen. Drittens: Honorare - Die afrikanischen Schauspieler lebten an weit entfernten Orten, z.B. in München, Hamburg oder Berlin, und sie alle für eine Produktion nach Düsseldorf zu holen, wäre finanziell nicht möglich gewesen. Angesichts dieser Probleme konzentrierte ich mich in den ersten Jahren auf kleine Programme wie Rezitationen und kleine szenische Darstellungen mit Musik und Tanz.

Meine erste Inszenierung war Athol Fugards Theaterstück "Aussagen nach einer Verhaftung auf Grund des Gesetzes gegen Unsittlichkeit"   Premiere war am 28 September 1983 in Düsseldorf. Das Stück handelt von Angst, Verzweiflung, Schuldgefühlen, vor allem aber Zerstörung menschliche Beziehung durch totalitäres System. In Aussagen nach einer Verhaftung auf Grund des Gesetzes gegen Unsittlichkeit" wird drasstich und auf beklemmende Art und Weise der Eingriff in das Intimleben zweier Menschen gezeigt. Der schwarzer Schulleiter Errol verliebt sich in die weiße Bibliothekarin Frieda. Heimlich unterhalten die beiden eine - vom System verbotene Beziehung, die an den widrigen Umständen zerbrechen muss. Angst, Schuldgefühle und auch Stolz lassen aber gar keine "echte Liebe" aufkommen, die Allgegenwart der Staatsgewalt dringt  immer wieder durch. Errol seinerseits - als Schwarzer - ist zu stolz, um von Frieda auch nur das kleinste Geschenk anzunehmen; er ist zu sehr gefangen in der gesellschaftlichen Stellung, die ihm das Apartheidregime zugewiesen hat. Sie, Frieda, die weiße Bibliothekarin, kann sich von ihrem "Weißsein" auch nie ganz lösen. Die beiden werden von Nachbarn denunziert. Es kommt zu einer brutalen Verhaftung, demütigenden Verhören und einen Einbruch des totalitären Systems in die persönlichen Beziehungen zweier Menschen. Das Stück wurde in über 75 Städten in der Bundesrepublik, der Schweiz und in Österreich aufgeführt.

 

BIOGRAPHIE (Künstlerisch) Anthony (Tony) Thompson

1974 - als Schauspieler in „AMANDA" in der Inszenierung von Horst Heinze (Komödie Düsseldorf)

1974 - Hospitanz im Schauspielhaus Düsseldorf.

1975-1976 Hospitanz und Regieassistenz am Staatstheater Darmstadt.

1976-1977 Teilnahme an Seminaren in d. Kunstakademie Düsseldorf

„GESTALTUNGSLEHRE (Dramaturgie) von Szenen „und „GESTALTUNGSLEHRE (Dramaturgie) von Sequenzen „

Dozent Dr. Gerd Albrecht

1977 - 1978 Praktikum (Technische Abteilung - Bühnen - und Beleuchtungstechnik)) im Schauspielhaus Düsseldorf

1979 als Schauspieler in „BOYS IN THE BAND" in der Inszenierung von Hermann Molzer (Stadttheater St. Gallen).

1980 als Regieassistent in „FAUST, EIN FRAGMENT" in der Inszenierung von Pit Kuiper und Peter Fricke (Freie Theatetproduktion).

1980 als Schauspieler in „AUSSAGEN NACH EINER VERHAFTUNG AUF GRUND DES GESETZES GEGEN UNSITTLICHKEIT" in der Inszenierung von Christianne Bruhn (Theater der Keller, Köln)

1980 - 1982 als Schauspieler in „VON MÄUSEN UND MENSCHEN" in der Inszenierung von Wolfgang Gropper (Ver. Städt. Bühnen Krefeld/Mönchengladbach).

1981 als Schauspieler in „ROBINSON LERNT TANZEN" in der Inszenierung von Rolf Sarkis (Staatstheater Braunschweig)

1982 als Schauspieler in „DER NACHFOLGER" in der Inszenierung von Walther Pohl (Stadttheater Aachen).

1995 als Schauspieler in „DIE RÄUBER" in der Inszenierung von Rolf Hartmann und Götz Brandt (Festspiele Oppenheim).

1999 als Schauspieler in „DIE ANDERE SEITE" in der Inszenierung von Klaus Gendries (Komödie Winterhuder Fährhaus, Hamburg)

1999 als Schauspieler in „MANHATTAN MEDEA" in der Inszenierung von Ernst Binder (Theater Koproduktion: Mecklenburgisches Staatstheater, Schwerin und Forum Theater, Graz).

 

SELBSTÄNDIGE ARBEITEN

Ich inszeniere seit 1983 Theaterstücke, in denen ich auch als Schauspieler mitwirke. Andere Programme, die ich selbst zum Teil zusammen mit anderen Künstlern erarbeitet habe, sind Märchenerzählungen mit Trommelbegleitung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Lesungen afrikanischer Literatur mit Musikeinlagen, szenische Darstellungen Überlieferter kultureller Handlungen, Kultur-und Bildungsreisen nach Ghana, Kunstausstellungen mit Vorträgen über traditionelle und neue afrikanische Kunst sowie Präsentationen afrikanischer Kultur im Rahmen von Projektwochen an Schulen.

THEATERINSZENIERUNGEN

1983 „AUSSAGEN NACH EINER VERHAFTUNG AUF GRUND DES GESETZES GEGEN UNSITTLICHKEIT" von Athol Fugard (Aufführungen in 75 Städte in d.. Bundesrepublik Deutschland, in d. Schweiz und Österreich.

1984 „EIN FEST BEI ROBINSON" nach Hansjörg Schneider.

1985 „SIZWE BANSI IST TOT" von Athol Fugard

1986 „NACHBARN" von James Saumders.

1987 „LAWINOS LIED" von Okot p´Bitek.

1988 „BOTSCHAFT VON ALOEN" von Athol Fugard.

1989 „TALKING DRUMS" (Szenische Darstellung mit Musik und Tanz)

1990 „SCHLÜSSEL ZUR ANDEREN WELT" (Szenische Darstellung mit Musik und Tanz)

1991 „WOZA ALBERT" von Percy Mtwa, Mbongeni Ngema und B. Simon.

SEIT 1994 MIT DEM ERZÄHLTHEATERPROGRAMM „ IN AFRIKA WIRD NICHT NUR GETROMMELT- GESCHICHTEN AUS DER AFRIKANISCHEN MÄRCHENWELT MIT MUSIKBEGLEITUNG" AUF TOURNEE.

SEIT 1995 ORGANISATION UND DURCHFÜHRUNG VON KULTUR-UND BILDUNGSREISEN NACH GHANA.

SEIT JANUAR 2004 VORPRODUKTIONSARBEITEN „SPIELFILMPROJEKT --AFRICAN BINGO".